Warum geht das Bioweingut Lenz mit Demeter einen Weg, den viele Winzer bewusst meiden?
1995 haben wir schrittweise auf biologisch – organische Arbeitsweise umgestellt (Knospe). Die Weiterentwicklung auf die biologisch – dynamische Arbeitsweise war absehbar: finden Boden, Pflanzen, Tiere, und der Mensch zusammen, im Einklang mit dem Kosmos, schliessen sich die Lebenskreisläufe. Der Betriebsorganismus gesundet, die landwirtschaftliche Produktion wird stabiler…
Ist Demeter für Sie Überzeugung – oder auch ein kalkuliertes Markenzeichen?
Wir sind überzeugt, dass nur geschlossene Lebenskreisläufe unsere Lebensgrundlagen erhalten und uns Menschen langfristig auf unserem Planet Erde ein Überleben garantieren. Die ganzheitliche Arbeitspraxis von Demeter hilft da entscheidend mit. Der 46-jährige DOK Bodenversuch von Agroscop und dem FibL belegen das auch wissenschaftlich. Das macht wirklich Eindruck!
100% Nachhaltigkeit klingt ambitioniert: Wo endet Anspruch, wo beginnt Realität?
Für uns bedeutet Nachhaltigkeit sein Handeln zu Ende zu denken. Damit haben wir unser alltägliches «enkeltaugliches Bewusstsein» gestärkt. Wir stellen uns dabei die einfache Frage, ob wir das kommende Handeln oder Schaffen mit unserem Gewissen vereinbaren können…
Was kostet radikale Nachhaltigkeit wirtschaftlich wirklich?
Landwirtschaftlich gesehen kostet die Umstellzeit auf eine aufbauende – regenerative Arbeitsmethode viel Geld und Zeit. In unserem Fall spielt die Zeit eine weitaus grössere Rolle als das Geld. Unsere Erfahrung zeigt, dass wir rund 10 Jahre brauchen, um die Lebenskreisläufe wirklich zu renaturieren, so dass der Winzer zur Begleitperson wird. Ab da verdient man Geld…
Sie setzen stark auf PIWI-Rebsorten – warum dieser klare Bruch mit Traditionen?
Die erste erfolgreiche PIWI Rebe wurde ca. 1740 in Kalifornien von Missionaren gekreuzt. Sie heisst Jaques und wird heute dort noch angebaut. Müller-Thurgau entstand 150 Jahre später. Was ist also Tradition? Enkeltauglicher Weinbau ergibt sich nur, wenn Vielfalt mit robusten Zukunftssorten (PIWIs) kombiniert wird. Daraus ergibt sich gesunder, fruchtbarer Boden und eine ökologische Intensivierung.
Sind klassische Rebsorten für Sie ein Auslaufmodell?
Ganz klar! Merlot, Pinot, Chasselas oder Cabernet Sauvignon sind alles Mimosensorten die am Tropf der chemischen Industrie hängen. Und damit ja auch der Winzer. Das können wir uns langfristig nicht mehr leisten, gegenüber unseren Kindern und unseren Lebensgrundlagen!
Warum sind die Weinflaschen von Ihnen viel leichter (415 Gramm) anstatt der Norm von ca. 700 Gramm?
Berechnet man den ökologischen Fussabdruck eines Weines, macht das Gewicht der Glasflasche ca. 60% aus. Verwendet man Leichtglasflaschen zwischen 330 und 400 Gramm ist das sicher ein Fortschritt. Will man die Flaschen im Kreislauf halten, also waschen, sollte die Flasche mindesten 400 g sein, wegen der Stabilität.
Übrigens: ein Naturkork weisst eine Co2 Fussabdruck von Minus 10 g auf. Eine Drehverschluss von Plus 60 g Co2…
Können biodynamische PIWI-Weine qualitativ mit Spitzenweinen mithalten oder diese sogar übertreffen?
Absolut! Gerade hat Vinum die Liste mit den 100 besten Schweizerweine (Verkostet 2025) veröffentlicht. Unser Handwerk rot 2023 ist auf Platz 6…
Sie haben diverse Auszeichnungen für die herausragende Qualität Ihrer Weine bekommen, woran liegt das? Was ist Ihr Geheimnis?
Wir glauben, dass 100% des Qualitätspotenzials im Weingarten liegt. Somit steht für uns der Weingarten im Fokus. Je gesünder unsere Produktionsgrundlagen werden, also Boden und Pflanzen, umso schmackhafter und charaktervoller werden unsere Weine…
Wie viel Überzeugungsarbeit leisten Sie noch beim Konsumenten?
Als 100% zentiger PIWI = Zukunftssortenbetrieb, finden tagtäglich tolle Gespräche statt…
Mit dem Verein PIWI Schweiz versuchen wir die Aufklärungsarbeit breiter abzustützen.
Ist der Schweizer Weinmarkt Ihrer Meinung nach zu konservativ für echten Wandel oder merken Sie, dass der Trend eher zu PIWI Sorten hin geht?
Aktuell sind 5% der Weinbaufläche in der Schweiz mit pilzwiderstandsfähigen Reben bestockt. Also 95% noch nicht! Somit will der Handel noch gar keine PIWIs, schliesslich muss ja zuerst das verkauft werden…
Aber wegen der Klimaveränderung stellen doch immer mehr Winzer auf die Zukunftssorten um. Die Natur dankt!
Würden Sie diesen kompromisslosen Weg heute nochmals genauso wählen?
Absolut! Motivierend ist, dass wir uns bereits in einer sanften Nachfolgeregelung befinden. Remo, Pascal und Rahel sind drei junge Menschen, die immer mehr Verantwortung im Betrieb übernehmen, da sie erkannt haben, dass hier ein stabiles Fundament für einen zukunftsträchtigen Weinbau gelegt wurde…
In Iselisberg 23
8524 Uesslingen
Tel 052 746 13 86
info@weingut-lenz.ch
www.weingut-lenz.ch
Hinter jedem Projekt stehen Menschen. Wir haben Gesichter, die Verantwortung tragen. Von der Geschäftsleitung bis zu Lernenden – für Qualität, für Service und für Vertrauen. Wir kennen unsere Kundinnen und Kunden persönlich und begleiten sie vom ersten Gespräch bis zur optimalen Lösung. Ob Einfamilienhaus oder komplexe Anlage: Wir sind vor Ort, erreichbar und stets offen für Gespräche. Diese Nähe schafft Sicherheit und macht den Unterschied. Denn wir glauben: Technik ist nur so gut wie die Menschen, die dahinterstehen.




