Vor 40 Jahren übernahm der ausgebildete Winzer Bruno Hartmann in Remigen den konventionellen elterlichen Bauernhof mit Ackerbau, Viehhaltung und 50 Aren Reben. Er wandelte ihn mit seiner Frau Ruth sofort in einen Weinbaubetrieb um. Die Hartmanns bewirtschaften heute 16 Hektaren Reben; davon gehören acht Hektaren zehn nebenberuflichen Remiger Weinbauern und -bäuerinnen sowie Traubenlieferanten. Das Weingut zählt zu den grösseren Privatkelterern im Kanton. Es trug viel dazu bei, dass sich Remigen zur drittgrössten Aargauer Rebbaugemeinde entwickelte.
«Terroir»-Gütezeichen
Für das Gedeihen der Reben und die Entwicklung des Charakters der Weine sind die Landschaft, der Gehalt des Bodens und das Klima ausschlaggebend. Die Rebe gehört zu den zähesten Kulturpflanzen überhaupt. Mit ihren bis zu sieben Meter tiefen Wurzeln trotzt sie der Trockenheit und bringt sogar nach Frost oder Hagelschlag die Kraft zu neuen Trieben auf. Aber zur Pflege der Pflanzen und Veredelung der Trauben braucht es natürlich noch die fachgerechte Arbeit der Winzer:innen und Kellermeister:innen.
Die von Natur und Mensch gemeinsam geschaffenen Voraussetzungen für authentische Weine umschreibt man in renommierten Weingebieten mit dem Begriff «Terroir». Auch das Weingut Hartmann verwendet dieses Gütezeichen zu Recht. An den sonnigen Jurasüdhängen im Gebiet des Wasserschlosses, dem Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat, auf einer Höhenlage von 400 Metern im Bereich des 47. Breitengrades (wie das Burgund), gedeihen anspruchsvolle Traubensorten. Daraus keltert das Weingut Hartmann 22 Rot- und Weissweine sowie Spezialitäten.
Der Betrieb achtet streng auf Qualität und Nachhaltigkeit. Alle Hartmann-Weine werden nach den Richtlinien von Vinatura und mit der Herkunftsbezeichnung AOC Aargau gepflegt. Im Rebberg hemmt eine durchgehende Bodenbegrünung die Erosion und hält Nützlinge und Schädlinge im Gleichgewicht. Ein eigens entwickelter und patentierter Maischerührtank extrahiert das Traubengut schonend. Sonnenkollektoren und Holzschnitzelfeuerung liefern dem Betrieb 80% erneuerbare Energie.
Pflege der Weinkultur
Bruno und Ruth Hartmann pflegen den Rebbau auch als altes Kulturerbe. Vor 2000 Jahren brachten die Römer durch das Legionslager Vindonissa – dem einzigen in der Schweiz, im heutigen Windisch – den Wein in diese Gegend. Das Weingut Hartmann zeigt zusammen mit drei weiteren Rebbaubetrieben in der Region Brugg die vier attraktiven und schweizweit einzigartigen Museums-Rebbergen, wie die Römer einst ihre Reben erzogen und den Weingenuss pflegten.
Der Römer-Rebberg in der Remiger Beugehalde liegt am lokalen Reb- und Kulturweg, den Bruno Hartmann als seinerzeitiger Präsident des örtlichen Rebbauvereins anregte, sowie an einem vielbegangenen Wanderweg. Er ist zudem Teil des Legionärspfades Vindonissa und eine touristische Attraktion – wie das Weingut selber, das über neue, gediegene Verkaufs- und Degustationsräume für vielerlei Anlässe, darunter das alljährliche «Sensus»-Fest, verfügt. Schliesslich ist das Weingut auch Mitglied des Juraparks Aargau mit dem Netzwerk «Genuss-Strasse», das Gastrobetriebe, Dorfläden sowie lokale Produktehersteller: innen und Einkaufsmöglichkeiten unterstützt.
Neue PIWI-Sorten
Durch die Fortschritte der Forschung und Technik sowie verbesserte Anbaumethoden konnte der Betrieb den Pflanzenschutzmittel-Einsatz um 80% senken. Er verwendet weder Kupfer noch Bodenherbizide und Insektizide. Für den Pflanzenschutz setzt er abbaubare Wirkstoffe ein, jedoch erst, wenn Messgeräte im Rebberg dem Betriebsinhaber die kritische Schadensschwelle anzeigen.
Neue Perspektiven bieten erfolgreiche pilzresistente Rebsorten (PIWI). Das Weingut Hartmann verfügt bereits über acht dieser zukunftsträchtigen Züchtungen, nämlich einen Vidal blanc, Sauvignac, Souvignier gris, Prior, Satin noir, Cabernet Jura, Divico und Regent. Ihr Anbau ist ökologischer und nachhaltiger. Zudem bereichern sie den Weingenuss mit interessanten neuen Aromen. Und sie bieten auch Perspektiven für die Klimaerwärmung, die den Weinbau beeinflussen wird.
Vor kurzem pflanzte Bruno Hartmann noch 50 Rote Weinbergpfirsiche in seine Rebhänge. Sie setzen mit ihrer Blütenpracht im Frühjahr neue Farbtupfer in die Landschaft und werten die Fauna und Flora auf. Die in Mitteleuropa schon zur Römerzeit bekannte Rebberg-Begleitkultur erfährt zurzeit eine Wiederbelebung, etwa in den steilen Lagen des Moselgebietes, aber auch in der Schweiz, namentlich in der Bündner Herrschaft und nun erstmals im Aargau.
Rinikerstrasse 8
5236 Remigen
Tel +41 56 284 27 43
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weinbau-hartmann.ch
Degustation und Verkauf:
Fr 14.00 – 19.00 Uhr
Sa 09.00 – 17.00 Uhr