Mit dem Projekt EABA (Erweiterung und Ausbau der ARA Basel) geht eines der grössten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre seinem Abschluss entgegen. Mit Investitionen von über 300 Millionen Franken ist eine der modernsten Abwasserreinigungsanlagen Europas entstanden. Zwar stehen noch die letzten Inbetriebnahmen an, doch der grösste Teil des Projekts ist geschafft. Wir haben mit Projektleiter Roberto Frei über die vergangenen Jahre, die grössten Herausforderungen und den Blick nach vorne gesprochen.
Herr Frei, das Projekt EABA steht kurz vor dem Abschluss. Wie fühlt sich das an?
Es sind gemischte Gefühle. Natürlich freue ich mich sehr, dass wir dieses grosse Projekt erfolgreich abschliessen konnten. Gleichzeitig macht es mich auch etwas traurig, denn EABA war ein aussergewöhnliches Projekt. Wir hatten die Möglichkeit, viel zu gestalten und in der Umsetzung zahlreiche Details aktiv mitzuentwickeln. So konnten wir die Anlage gewissermassen selbst erschaffen.
Besonders freut mich, dass die Anlage von Beginn an sehr gut funktioniert hat. Natürlich gab es – wie bei jedem Projekt dieser Grössenordnung – einige Kinderkrankheiten. Insgesamt erreichten wir jedoch von Anfang an eine sehr gute Reinigungsleistung.

An den neuen Faultürmen werden die letzten Arbeiten durchgeführt.
Die Herausforderungen waren vielfältig. Während der Bauzeit fiel die Corona-Pandemie, was insbesondere bei den Lieferketten zu erheblichen Verzögerungen und Engpässen führte.
Eine der grössten Herausforderungen war jedoch der Rückbau der alten Anlage. Die neue ARA entstand auf derselben Fläche wie die bestehende Anlage – und gleichzeitig musste die Abwasserreinigung während der gesamten Bauzeit ohne Unterbruch funktionieren. Das erforderte eine sehr präzise Planung und enge Abstimmung.
Hinzu kam, dass wir beim Rückbau immer wieder auf Bauwerke oder Leitungen stiessen, die auf keinem Plan verzeichnet waren. Dadurch mussten wir laufend Lösungen finden, um die bestehende Infrastruktur mit den neuen Anlageteilen sinnvoll zu verbinden. Über lange Zeit war die Anlage ein Nebeneinander von alter und neuer Technik.
Was zeichnet die neue Anlage besonders aus?
Ein zentrales Merkmal ist das konsequente Konzept der sogenannten «Strassen». Jede Verfahrenslinie kann – auch elektrisch – unabhängig von den anderen betrieben werden. Dadurch lassen sich einzelne Anlagenteile gezielt für Wartungsarbeiten ausser Betrieb nehmen, während die übrigen Strassen weiterlaufen. Das erhöht sowohl die Betriebssicherheit als auch die Flexibilität im Unterhalt.
Auch die Reinigungsleistung wurde deutlich verbessert. So werden heute Stickstoffverbindungen effizienter abgebaut und Mikroverunreinigungen, beispielsweise Rückstände von Medikamenten, in einer zusätzlichen Reinigungsstufe eliminiert.
Neu ist zudem die Faulungsstufe. Dabei wird aus dem Klärschlamm Biogas gewonnen, das zur Energieversorgung der Anlage genutzt werden kann, welches in das Baseler Gasnetz eingespiesen wird.
Obwohl bereits die Vorgängeranlage weitgehend automatisiert war, verfügt die neue ARA über deutlich mehr Messstellen sowie eine wesentlich modernere Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Dadurch lassen sich die Prozesse wesentlich präziser überwachen und optimieren.

Am 17. April 2026 wurde die Anlage im Rahmen einer Zeremonie eingeweiht. Regierungsrat Caspar Sutter und Regierungsrat Isaac Reber vollzogen den offiziellen Akt, gemeinsam mit dem Verwaltungsratspräsidenten der ProRheno AG, Dr. Roger Reinauer und den Projektleitern Dr. Uwe Sollfrank (Holinger AG) und Roberto Frei (ProRheno AG)
Was war aus Ihrer Sicht entscheidend für den erfolgreichen Projektabschluss?
Der wichtigste Erfolgsfaktor war die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das gesamte Projektteam und sämtliche Partner haben über die gesamte Projektlaufzeit sehr engagiert zusammengearbeitet und stets am gleichen Ziel gearbeitet.
Ein grosses Dankeschön gilt auch den Mitarbeitenden der ProRheno. Sie waren von Beginn an eng eingebunden und haben den Projektfortschritt mit grossem Einsatz unterstützt – oft auch sehr kurzfristig. Immer wieder mussten Anlagenteile ausser Betrieb genommen, gereinigt oder für Umbauarbeiten vorbereitet werden. Diese Flexibilität war für den Projekterfolg enorm wichtig.
Zudem konnten wir die Projektrisiken jederzeit gut beherrschen. Besonders wichtig war dabei der Umgang mit den Altlasten auf dem Areal des ehemaligen Basler Gaswerks. Dieses Thema beschäftigte uns während der gesamten Bauzeit, konnte jedoch erfolgreich gemeistert werden.
Das Projekt ist abgeschlossen – was kommt als Nächstes?
Auch wenn die Bauarbeiten praktisch beendet sind, beginnt nun eine ebenso spannende Phase. Die neue Anlage bietet noch erhebliches Optimierungspotenzial. Dieses wollen wir in den kommenden Jahren konsequent ausschöpfen und die Prozesse weiter verbessern. Damit schaffen wir die Grundlage für einen langfristig sicheren, effizienten und nachhaltigen Betrieb der ARA Basel.